Ökobilanzwerkstatt 2005

Ökobilanzwerkstatt des Netzwerks Lebenszyklusdaten für junge WissenschaftlerInnen

Die Ökobilanzwerkstatt 2005 fand am 15./16. Juni 2005 im Haus auf der Alb in Bad Urach statt. 35 Teilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet nahmen an dieser Werkstatt-Veranstaltung des Netzwerks Lebenszyklusdaten für junge WissenschaftlerInnen teil.

Im Spannungsfeld „Ökobilanzierung als Werkzeug in der wissenschaftlichen Arbeit“ und „Ökobilanz als Gegenstand des wissenschaftlichen Arbeitens“ bot die Ökobilanzwerkstatt NachwuchswissenschaftlerInnen ein Forum für die Präsentation der eigenen Arbeiten, aber auch für den wissenschaftlichen und nicht-wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch.

Der wissenschaftliche Rahmen der Veranstaltung orientierte sich an 3 Leitfragen, deren Beantwortung aufbauend auf den Präsentationen der TeilnehmerInnen in spezifischen Arbeitsgruppen sowie den anschließenden Diskussionen nachgegangen wurde.

TeilernehmerInnen der Ökobilanzwerkstatt 2005
TeilnehmerInnen der Ökobilanzwerkstatt 2005

Was nützt Ökobilanzierung?

Das Leitmotiv für Vorträge und Diskussionen in dieser Arbeitsgruppe wurde in der Identifizierung der beabsichtigten Nutzungsbereiche und den entsprechenden Zielgruppen für Ökobilanzen und deren Ergebnisse gesehen. Dazu gaben 6 Vorträge mit Fallstudien-Charakter einen Überblick über das breit gefächerte Spektrum der möglichen Anwendungsgebiete von Ökobilanzen.

So umfassten die Präsentationen beispielsweise ökobilanzielle Studien über elektrische und elektronische Bauelemente im Automobilsektor. Andere Anwendungsgebiete lagen im Vergleich und der Bewertung von verschiedenen Prozesstechniken in der Chemikalien-, Textil- oder auch Energieindustrie sowie in der Analyse von Prozessen, Materialien bis hin zu kompletten Bauteilen aus dem Bausektor. Die auf den Präsentationen aufbauenden Diskussionen führten zur Identifizierung der folgenden Nutzungsbereiche der Ökobilanzierung:

  • Ökobilanz als Bewertungsinstrument zur Entscheidungs- und Empfehlungsunterstützung bei der Auswahl von Verfahren/Prozessen
  • Ökobilanz als Instrument zur Szenarioanalyse für technisch entwickelte Varianten
  • Ökobilanz als Instrument zur „Dominanzanalyse“ für Prozesse/Verfahren im Entwicklungsprozess
  • Ökobilanz als Marketing-Instrument
  • Ökobilanz als Instrument zur Schwachstellenanalyse
  • Ökobilanz als Analyseinstrument zur Erstellung von Prognosen, d.h. als Instrument der Politikberatung

Darüber hinaus wurden aber auch anwendungsrelevante Problemstellungen aus der Methodik der Ökobilanz in dieser Arbeitsgruppe identifiziert. So wurde z.B. die Varianz der Interpretationsmöglichkeiten von Ergebnissen in Abhängigkeit von der Annahme unterschiedlicher Systemgrenzen oder auch die Schwierigkeit im Umgang mit bzw. bei der Bewertung von Daten, z.B. bei der Anwendung von Wirkungsabschätzungsmethoden, diskutiert. Letztlich kam die Arbeitsgruppe zu der Erkenntnis, dass die Ökobilanz durchaus im positiven Sinne auch als Mittel zur „Desillusionierung“ dienen kann.

Ist Ökobilanzierung genug?

Die Themenstellung der Arbeitsgruppe „Ist Ökobilanzierung genug?“ wurde ausgehend von vier Vorträgen aus den Bereichen Energie und Siedlungsbau diskutiert.

Die Vorträge dieser Arbeitsgruppe können als Fallbeispiele mit der Zielstellung der Entwicklung anwendungsspezifischer Methoden zusammengefasst werden. Alle Fallbeispiele hatten, zumindest im weiteren Sinne, eine Bewertung im Kontext von Nachhaltigkeit zum Inhalt.

Ausgehend von den Präsentationen entwickelten sich anregende Diskussionen. Die Ergebnisse der Diskussionen können für die Anwendung von Ökobilanzen in den spezifischen Anwendungen mit folgenden Punkten zusammengefasst werden:

  • Ökobilanzierung ist für die vorgestellten Anwendungen nicht ausreichend
  • Für die dargestellten Fragestellungen besteht der Bedarf nach weiteren Indikatoren und Methoden, die über die Ökobilanz hinausgehen
    Beispiele für weitere Indikatoren:
    Stromkosten, Beschäftigungseffekte, Akzeptanz, Versorgungssicherheit, Unfallrate, Grenzwertauslegung
    Beispiele für weitere Methoden:
    regionaler Stoffhaushalt, Energie-Transport-Reaktionsmodell, ökologischer Fußabdruck, gesellschaftlicher Stoffwechsel
  • Die zeitliche Dimension fehlt in den dargestellten Beispielen
  • Der benötigte Aggregationsgrad ist abhängig von der spezifischen Anwendung
  • Die Quantifizierung der Umwelt als eine der drei Nachhaltigkeitsdimensionen konnte nicht abschließend festgelegt werden
  • Aus der Sichtweise der Industrie sind BREFs and EPD wichtige Anwendungen von Ökobilanzen

Grundsätzlich wurde die Notwendigkeit für einen Dialog zwischen Disziplinen bzw. nach interdisziplinärer Zusammenarbeit erkannt, um die „Dialogfähigkeit“ von Ökobilanzen zu gewährleisten. Es muss allerdings noch geklärt werden, ob es zielführend ist, ein Instrument für alle Fragestellungen zu entwickeln (das Megatool?), oder ob es besser ist, an jeweilige Fragestellungen angepasste Methoden zur Verfügung zu stellen.

Aus der Sichtweise der Industrie sind BREFs and EPD wichtige Anwendungen von Ökobilanzen

In der Arbeitsgruppe mit dem Thema „Wie kompliziert soll Ökobilanz sein?“ lag der Fokus auf Beiträgen, in denen eine Vereinfachung der Ökobilanz-Methodik im Allgemeinen oder im Kontext des Untersuchungsrahmens vorgestellt wurde. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Ausweitung der Ökobilanz-Methodik auf neue Bereiche, wie z.B. auf prospektive Untersuchungen. An den beiden Tagen des Workshops wurden insgesamt acht Beiträge vorgestellt, die einen weiten Überblick über die derzeitigen Möglichkeiten boten, die Ökobilanz-Methodik zu modifizieren und zu erweitern.

Im Verlauf der Sessions ergaben sich lebendige Diskussionen zu den Präsentationen und zu den übergeordneten Fragen. Ausgehend von der Annahme, dass die zentrale Aufgabe von Ökobilanzen die Entscheidungsunterstützung ist, wurden die folgenden Punkte im Bezug auf die Komplexität von Ökobilanzen als wichtig erachtet:

  • Es gibt einen Bedarf an skalierbaren Komplexitäten für Ökobilanzen
  • Prinzipiell muss zwischen der Komplexität von Ergebnissen von Ökobilanzen und der Komplexität bei der Durchführung von Ökobilanzen unterschieden werden
  • Eine Ökobilanz sollte so komplex wie nötig und so einfach wie möglich sein
  • Der Untersuchungsrahmen bestimmt den Grad der Komplexität der Studie
  • Ökobilanzen sollten einfach, schnell und richtungssicher sein

Zusammenfassend wurde bemerkt, dass eine Ökobilanz beliebig kompliziert gemacht werden kann. Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass für die Ökobilanz als Werkzeug zur Entscheidungsunterstützung im Rahmen einer Dienstleistung die Kundenzufriedenheit das oberste Ziel ist, da sie ein Qualitätsmaß für Dienstleistungen darstellt.

Ansichten der TeilnehmerInnen

Den TeilnehmerInnen wurde mit den Tagungsunterlagen ein Fragebogen ausgehändigt, mit der Bitte diesen zu beantworten. Weiterhin konnten die TeilnehmerInnen zu vier Fragen, die an einer Stellwand im Foyer des Haus auf der Alb aushingen, Stellung zu nehmen.

Der Fragebogen bestand aus 20 Fragen, die sowohl Ja-nein-Antworten als auch die Bewertung einzelner Aspekte der Veranstaltung ermöglichten. Darüber hinaus wurden offene Fragen gestellt.

Der Rücklauf der Fragebögen war sehr gut. Knapp 70 % der TeilnehmerInnen gaben einen ausgefüllten Fragebogen zurück. Insgesamt konnten 20 Fragebögen ausgewertet werden. Die Beteiligung an der Stellwand fiel demgegenüber ab. Etwa 60 % der TeilnehmerInnen äußerten ihre Meinung.

Im Folgenden soll ein kurzer Überblick über die wesentlichen Ergebnisse gegeben werden. Hierzu wird der Schwerpunkt auf sechs Themen gelegt, die schon während der Veranstaltung auf Interesse gestoßen waren. Zu diesen Themen bestand die Möglichkeit diese auf einer Notenskala von 1 (sehr gut) bis 5 (mangelhaft) zu bewerten.

  • Der allgemeine Eindruck der TeilnehmerInnen von der Veranstaltung wurde im Durchschnitt mit 1,5 bewertet. Gleichzeitig haben alle TeilnehmerInnen die Zusatzfrage, ob sie diese Veranstaltung noch mal besuchen würden, mit ja beantwortet.
  • Die Organisatoren haben für die Ökobilanzwerkstatt das Spannungsfeld von „Ökobilanz als Werkzeug in der Wissenschaft“ und „Ökobilanz als Gegenstand der Wissenschaft“ und damit das Instrument Ökobilanz zum Thema gewählt und kein weiteres Sachthema. Von den TeilnehmerInnen wurde dieses Vorgehen im Durchschnitt mit 2,0 benotet. Dieses Ergebnis wird durch die Antworten, die zu einer ähnlich gelagerten Frage an der Stellwand gestellt wurde, unterstützt. 8 von 9 TeilnehmerInnen wollen keine spezifischen Sachthemenvorgabe für künftige Ökobilanzwerkstätten.
  • Einen Erkenntnisgewinn für die eigene Arbeit kann man sowohl durch Vorträge als auch durch Diskussionen erreichen. 97,5 % der TeilnehmerInnen bejahten die Frage, ob sie einen Erkenntnisgewinn während der Veranstaltung erzielt hätten. Der erlangte Erkenntnisgewinn wurde in Durchschnitt mit 2,3 bewertet.
  • Ein Punkt, der in diesem Zusammenhang viel diskutiert wurde, war, ob die Zeit für Diskussionen ausgedehnt werden sollte. Die Frage, ob die Zeitaufteilung zwischen Vorträgen und Diskussionen den Wünschen der TeilnehmerInnen entsprach, wurde im Durchschnitt mit 1,8 bewertet.
  • Zum Abschluss zwei Aspekte, die für die Organisatoren von besonderem Interesse sind. Die Organisation der Veranstaltung wurde im Durchschnitt mit 1,6 benotet. Die Wahl des Veranstaltungsortes fand ebenso Zustimmung. Die durchschnittliche Benotung des Veranstaltungsortes beträgt 1,5.

Die oben angesprochenen Ergebnisse werden durch den großen Anteil der Vortragenden (70 %) an der Gesamtstichprobe geprägt. Ohne in das Detail zu gehen, kann man feststellen, dass die Gäste die einzelnen Themen signifikant schlechter bewertet haben als die Vortragenden.

Zum Abschluss ist noch zu bemerken, dass alle TeilnehmerInnen sich eine Weiterführung der Ökobilanzwerkstatt wünschen.

Die detaillierten Ergebnisse zu den einzelnen Fragen des Fragebogens und der Stellwand können eingesehen werden (siehe Auswertung der TeilnehmerInnenbefragung). Auf eine Darstellung der Ergebnisse der offenen Fragen wird verzichtet. Die Vielfalt der Antworten lässt eine systematische Darstellung der Ergebnisse nicht zu.

Fazit

Es kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Ökobilanzwerkstatt 2005 ihre grundlegenden Zielstellungen, die initiative Versammlung von jungen ForscherInnen im Bereich der Ökobilanzierung in Deutschland sowie die Schaffung eines Forums für den Austausch untereinander, erreicht hat – nach eigener Einschätzung werden fast alle Teilnehmer einen unmittelbaren Nutzen für ihre Arbeiten ziehen können und befürworten die dauerhafte Einrichtung der Ökobilanzwerkstatt (vgl. Ergebnisse der TeilnehmerInnenbefragung).