Ökobilanzwerkstatt 2005

Ökobilanzwerkstatt 2007

Haus auf der Alb in Bad Urach
Haus auf der Alb – Bad Urach

Auch bei der nunmehr dritten Ökobilanzwerkstatt 2007 stand der fachliche Austausch von Nachwuchswissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen aus dem deutschsprachigen Raum zur Thematik der Lebenszyklusanalyse im Mittelpunkt. Hierzu trafen sich 20 Teilnehmer vom 26. bis 27. September 2007 in Bad Urach im Haus auf der Alb. Neben der Präsentation der eigenen Arbeiten wurde auch in diesem Jahr dieses Forum dazu genutzt, um über geeignete Lösungsansätze zu diskutieren und methodische Fragestellungen zu klären.

Zusammenfassung der Sessions

Im ersten Vortrag der Session „Bewertung von Bauprodukten“ erläuterte Bodo Müller (Forschungszentrum Karlsruhe) verschiedene – auf statistischen Daten beruhende – Verfahren, um die Herstellung von Bauprodukten abzuschätzen. Danach stellte Thorsten Stengel (TU München) Ergebnisse aus einem DFG Schwerpunktprogramm vor und ging dabei auf die Rolle der Ökobilanz bei der Entwicklung neuer Werkstoffe aus ultra-hochfestem Beton ein.Die Session wurde von Alexander Passer (TU Graz) geschlossen, der auf das Problem bei der Erfassung der Transportrucksäcke von Bauprodukten einging.

In der Session „Nutzungsverhalten in ökologischen Bewertungen“ wurde anhand dreier Beispiele ein Einblick in die Bedeutung des Nutzungsverhalten im Rahmen einer ökologischen Bewertung gegeben. Der erste Vortrag von Jörg Lammers (TU München) erläuterte das Potential einer auf dem Nutzerverhalten basierenden Optimierung des kumulierten Primärenergieverbrauchs von Wohngebäuden und setzte sich dabei umfangreich mit dem Umgang mit einer unsicherer Datengrundlage auseinander. Vortrag zwei von Julian Maruschke (BMW) verfolgte das Ziel, sowohl ökonomisch wie ökologisch effiziente Nutzungsdauern für Fahrzeuge zu ermitteln, wofür LCA-basiert die ökologischen und ökonomischen Wirkungen unterschiedlicher Fahrzeugkombinationen für einen Betrachtungszeitraum von 35 Jahren und 595.000 km in Szenarien berechnet werden. Im dritten Vortrag von Martin Nowak (TU Dresden) wurde die Erstellung einer Sachbilanz von OP-Textilien dargestellt, auch hier unter den besonderen Herausforderungen von Datenlücken und vielfältigen Prozessen bei der Herstellung, Verwendung, Reinigung und Entsorgung dieser Textilien.

Während Wolfgang Walk (Forschungszentrum Karlsruhe) in der Session „LCI & LCA von Transportvorgängen“ in seinem Beitrag über die Entsorgungslogistik von Elektro(nik)altgeräten auf die angemessene Abbildung regionaler Gegebenheiten einging, thematisierte Stefan Albrecht (Universität Stuttgart) mit seiner Studie über Verpackungssysteme für Obst- und Gemüse eine europaweite Transportaufgabe, wobei die Absatzlogistik kombiniert mit der Reverselogistik des Leerguts zu bewerten war.

In der Session „Datenquellen und Datenqualität“ demonstriert Danilo Schulter (TU Graz) am Beispiel des Stahlbetons den Einfluss bauproduktspezifischer Kennwerte auf die Ökobilanzierung von Bauteilen und Gebäuden. Jens Warsen (Forschungszentrum Karlsruhe) präsentiert am Beispiel der Primäraluminiumherstellung eine Vorgehensweise zur Überprüfung der Realitätsnähe bestehender LCI-Datensätze durch den systemanalytischen Abgleich mit Daten aus dem öffentlichen Berichtswesen.

In der Session „Nutzungskonkurrenzen und Sektorenvergleich“ wurde die Analyse der Nutzungskonkurrenzen einer energetischen und stofflichen Nutzung der forstlichen Ressourcen mit Hilfe eines Stoffstrommodells von Silke Feifel (Forschungszentrum Karlsruhe) vorgestellt. Die Einbeziehung des Flächenverbrauchs als Wirkungskategorie in die Ökobilanz war auch in den folgenden beiden Präsentationen und in den Diskussionen ein zentrales Thema. Die Grundlagen der Einbeziehung der Flächeninanspruchsnahme und die Implementierung in eine Software zur Ökobilanzierung war die Themenstellung von Ulrike Bos (Universität Stuttgart). Daran knüpfte Barbara Urban (FAL Braunschweig) an und stellte Ansätze vor wie die Auswirkungen auf die Biodiversität verursacht durch den Anbaus von Biokraftstoffen mit Hilfe der Ökobilanz bewerten werden könnten. Die Wirkungsabschätzung wurde von Sibylle Wursthorn (Forschungszentrum Karlsruhe) dazu genutzt um die Umweltwirkungen von Wirtschaftssektoren auf der Grundlage der Umweltberichtsdaten des Europäischen Schadstoffemissionsregisters (EPER) zu charakterisieren.

In der Session mit dem Titel „Modellierung von Energieversorgung“ wurde die ganze Bandbreite der Aspekte deutlich mit der man ein derartiges Thema, sowohl inhaltlich, als auch aus dem Blickwinkel der LCA-Methodik, beleuchten kann. Im ersten Vortrag von Michael Prytula (TU Berlin) stand dabei die Suche nach Ansatzpunkten zur Energieversorgung von Städten, insbesondere unter Berücksichtigung der Dreifaltigkeit der Nachhaltigkeit im Vordergrund. Im zweiten Vortrag von Thomas Dederichs (RWTH Aaachen) wurde die Anwendung der LCA-Methodik auf die technische Infrastruktur der Energiebereitstellung vorgestellt. Dabei wurden zum einen ein innovativer Ansatz zur Verwendung der Szenarienanalyse vorgestellt, wie auch auf die bei diesem Untersuchungsgegenstand auftretenden Allokationsprobleme eingegangen. Im letzten Vortrag in der Session von Achim Stadtherr (Forschungszentrum Karlsruhe) wurde die Energieversorgung lediglich als Anschauungsbeispiel aufgegriffen, um ein methodisches Vorgehen bei der Ökobilanzierung vorzuschlagen, welches die für das Gesamtergebnis relevanten Prozesse bei der Modellierung von Prozessketten in den Mittelpunkt stellt.

Gastvortrag

Für den Gastvortrag bei der Ökobilanz-Werkstatt 2007 konnte Prof. Matthias Finkbeiner (TU Berlin) gewonnen werden. Er besitzt bereits langjährige Erfahrung mit umweltverträglicher Produktion und Produkten in Consulting und Industrie und hat über „Ökobilanzierung im betrieblichen Umfeld“ referiert. In seinem Vortrag wurde eine Brücke vom eher akademischen Umfeld der NachwuchswissenschaftlerInnen zur Anwendung in einem Konzern geschlagen. Prof. Finkbeiner berichtete über die den Einfluss von Ökobilanz-Ergebnisse auf die Vorgänge der Produktplanung und -entwurf von Automobilen. Auch in der anschließenden Diskussion wurde die Einbindung der ökobilanziellen Arbeitsgruppe in die Konzernstruktur und Verknüpfung der verschiedenen Informationsflüsse in der industriellen Realität gezeigt.